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Karaoke oder wie man die letzte Bahn in Tokyo verpasst

Dienstag, 07.April 2015

Irgendwie werden wir jeden Tag lahmarschiger, ich zumindest, denn Malie steht wieder brav auf und macht sich alleine auf den Weg nach Harajuku. Als sie weg ist nicke ich noch einmal ein und schlafe versehentlich bis elf Uhr mittags, oh noez! Schnell ins Bad und rüber zu Starbucks, um die restlichen Postkarten zu schreiben. Neben mir grunzt ein alter Mann während er seinen Donut isst, an diese Geräusche der Japaner werde ich mich nicht gewöhnen. Gleich gegenüber befindet sich eine Post Office, wo ich die Karten dann gleich aufgebe. Die Mitarbeiter sind sehr zuvorkommend und helfen mir dabei, den Air Mail Stempel auf der Karte zu platzieren. Ich wollte eigentlich nur wissen, an welche Stelle der Stempel gehört, aber der freundliche Mitarbeiter hat meine Hand genommen und mit mir gemeinsam den Stempel auf die Karte gedrückt, awkward moment XD

Malie stresst schon etwas rum, und ich beeile mich, damit wir noch ein wenig shoppen können. Irgendwas muss in Harajuku vorgefallen sein, denn sie will mir unbedingt etwas erzählen… (etwas weiter unten bei der Erkenntnis des Tages werdet ihr aufgeklärt ^^) Es regnet übrigens schon wieder in Strömen und schön langsam geht uns das schlechte Wetter auf die Nerven, was haben wir dem Wettergott bloß angetan, dass er uns so bestraft. Hier noch einen Rock und da noch süße Schuhe, im Schnelldurchlauf geht’s durch die Takeshita Dori und wir kaufen wirklich ALLES was wir eventuell bereuen könnten, wenn wir es nicht kaufen. Vom Zeitdruck geplagt machen wir uns auf den Weg nach Shibuya, da wir noch einmal in den Plattenladen müssen. Malie ist schon etwas gestresst aber ich versichere ihr, dass ich den Weg noch weiß, war ja erst gestern Abend dort. Jo, Shibuya ist doch verwirrender als man vermuten mag, und wir müssen uns doch wieder von Google Maps lotsen lassen. Wir finden aber schnell hin und kämpfen uns zur richtigen Abteilung. Ich als Laie habe natürlich gar keine Ahnung worauf man achten muss/soll, Malie auch nicht, also suchen wir einfach nach den beiden Bands, die mein Freund vorgeschlagen hat. Ein Mitarbeiter hilft uns dann aber, etwas Passendes zu finden, Gott sei Dank!

Nachdem der Plattenladen gleich neben einem Club Sega ist, beschließen wir, ein letztes Mal Puris zu machen. Diese schrillen Automaten werden mir Zuhause echt fehlen, mein Portemonnaie wird sich hingegen darüber freuen, dass es sowas nicht in Österreich gibt. Eigentlich wollten wir noch zu Starbucks und die Shibuya Kreuzung von oben betrachten, aber dazu fehlt uns definitiv die Zeit. Wir sind einfach schon wieder viel zu spät dran und schaffen es heute hoffentlich mal pünktlich zu unserer Verabredung.

Um Micha nicht wieder warten zu lassen beeilen wir uns diesmal wirklich. Malie isst ihre Pommes während dem Schminken und ich krieg von all dem Stress überhaupt nichts runter. Wir schaffen es rechtzeitig zur Daimon Station der Oedo Line, finden aber den richtigen Bahnsteig nicht. Ein netter Mitarbeiter hilft uns auf Englisch weiter und wir können los. Zehn Minuten vor unserem geplanten Treffen sind wir da, Gott sei Dank! Micha holt uns an der Station ab und zeigt uns die Gegend, in der er wohnt. Wir laufen vorbei am Edo Tokyo Museum und der großen Sumo Halle (Ryogoku Kokugikan), bis wir in eine Bar gehen, um erstmal etwas zu trinken. Nach einer Weile lädt Micha uns ein, mit zu ihm nach Hause zu kommen. Er wohnt in einem Sharehouse zusammen mit 12 anderen Leuten, und wir könnten etwas abhängen und dann gemeinsam zum Karaoke gehen – warum eigentlich nicht? Im strömenden Regen gehen wir los, es ist zum Glück nicht weit. Zu unserer Überraschung ist niemand Zuhause und wir sind erstmal skeptisch – ich habe Micha nun auch erst zwei Mal getroffen und wir sind etwas verunsichert. Nach einem Stück Baumkuchen huscht auf einmal Ryan aus seinem Zimmer. Er ist Michas australischer Mitbewohner und gesellt sich zu uns und wir unterhalten uns eine Zeit lang, bis Micha die WiiU anwirft.

Nach einigen Runden Mario Kart und (aufgrund meiner ständigen Niederlagen) genügend Alkohol im Blut gehen wir los zum Karaoke. Zuerst werden wir in einen kleinen Raum geschickt und die Herren sind not amused. Malie und ich verstehen die Aufregung gar nicht, ist doch egal, Hauptsache ich kann rauchen wir haben überhaupt einen Raum. Micha versucht dann aber nochmal den Inhaber zu bezirzen, und wir bekommen den Gaijin Bonus – ab in den riesengroßen “Panorama” Raum, yay! Von “My heart will go on” bis “99 Luftballos” hat die Karaoke Maschine wirklich fast alles im Repertoire, was man sich nur wünschen kann. Ryan, Micha und ich trällern ein Lied nach dem anderen, während Malie damit beschäftigt ist, uns zu filmen. Bei Linkin Park ist dann auch sie dabei, vielleicht aber auch, weil es schon spät ist, und der Alkohol langsam aber sicher zu wirken beginnt. Wer weiß. Eigentlich sollten wir öfter mal auf die Uhr sehen, aber es macht einfach zu viel Spaß hier! “Jojo, den letztn Zug schoffma scho” beruhigen Malie und ich uns gegenseitig im Minutentakt. Japanischer Alkohol fährt aber doch ziemlich gut rein und so versäumen wir es irgendwann, auf die Uhr zu sehen. Spaß haben wir an diesem Abend aber allemal, und den wollen wir uns nicht verderben lassen!

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Natürlich verpassen Malie und ich dann doch die letzte Bahn und wir dürfen netterweise auf dem Sofa im Sharehouse Wohnzimmer nächtigen, denn ein Taxi bis zum Hotel hätten wir uns niemals leisten können. Sehr bequem und vor allem großflächig das Sofa xD Aber wir sind ohnehin beide auf Kuschel-Entzug und schaffen es, die restliche Nacht irgendwie rum zu bringen, ohne runter zu fallen. Da in dem Sharehouse 13 Leute wohnen, wachen wir schon relativ früh auf, die müssen ja auch alle zur Arbeit. Ein wenig verkatert machen wir uns auch langsam auf den Weg. Es regnet (noch immer) in Strömen und wir haben keinen Schirm, also erstmal zum Konbini und den tausendsten Regenschirm kaufen, dann ab zur Oedo Line. Ach und, wo war die Station nochmal?

One Comment

  1. Pingback: Meine Japan Bucket List - TOKYOANDBEYOND

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