20150406_105705edit-compressor

Mata Ne und bis ganz bald, mein geliebtes Japan

Donnerstag, 09. April 2015

Das kann einfach nicht wahr sein, wie konnten die zwei Wochen nur so schnell vergehen? Wir wollen nicht zurück nach Österreich, wir wollen hier bleiben, noch mehr vom Land sehen, am besten auch gleich noch im Lotto gewinnen, damit wir uns das auch leisten können… Nach dem Aufwachen sind wir beide ziemlich genervt, wir müssen jetzt noch die Reste einpacken, und da werden unsere logistischen Talente wirklich gefordert! Immer wenn wir sagen “so, i glaub jetzt hob is”, bemerken wir beim Umdrehen, dass hier und da ja auch noch etwas liegt. “Oida, i hob kan Plotz mehr” – den Satz haben die Leute im Nebenzimmer an diesem Morgen wohl ziemlich oft gehört. Wir hätten doch einen größeren Koffer kaufen sollen, damit wir auch alles unterbringen. Ich trenne mich von Duschgel & Co. – das braucht einfach zu viel Platz und außerdem ist das Zeug schwer, das kaufe ich Zuhause einfach neu. Malie verzweifelt beim Einpacken zerbrechlicherer Gegenstände und ich sortiere zum zehnten Mal alles um. Mit Drücken und Quetschen schaffen wir es irgendwann, alle drei Koffer zu zu machen, preiset den Herrn. Unsere beiden Rucksäcke sind nun prall gefüllt mit allem möglichen Kram, ich hab sogar meine Converse Allstars da drinnen, weil die sonst keinen Platz gehabt hätten. In der Lobby wiegen wir dann erstmal die Koffer ab, denn wenn einer über 23kg hat, dann müssen wir wieder umschlichten, und zwar in der Lobby vor allen Leuten. Zum Glück haben aber alle drei Koffer je “nur” um die 21-22kg und wir sind beruhigt.

Da es 10:00 Uhr vormittags ist, unser Flug aber erst um 19:30 Uhr geht, machen wir uns ein letztes Mal auf den Weg nach Shibuya. Wir sind beide irgendwie traurig, auch wenn wir uns jetzt schon tierisch auf unsere Liebsten Zuhause freuen. Das Wetter ist heute traumhaft schön, das macht den Abschied nicht unbedingt leichter. Von Starbucks aus beobachten wir (auf dieser Reise eigentlich zum ersten Mal) die Shibuya Kreuzung von oben. Leider ist nicht viel los, und so werden die Fotos nicht allzu toll. Im Nachhinein betrachtet frage ich mich, wir arg wir denn da getrödelt haben, wir hatten ja eigentlich 5 Stunden zur Verfügung und haben nicht wirklich viel gemacht. Als wir uns zurück zur Yamanote Line begeben, spricht uns beim Selfies Machen ein Japaner an. Er erzählt uns, dass er gerne besser Englisch sprechen würde, und ob wir mit ihm quatschen wollen. Wir müssen aber leider los und so addet er Malie nach zehnminütiger Fragerei auf Facebook. Mann oh Mann, der war so anstrengend, aber so nett 😀

Am Rückweg zum Hotel stoppen wir noch kurz bei McDonald’s, wo wir unsere letzten Yen verballern. Kurz vor unserem Hotel machen wir noch an einem Kirschblüten Baum halt. Er ist wunderschön, und wir beschließen, uns noch einmal gegenseitig davor zu fotografieren. Man braucht ja schließlich ein anständiges “wir sind jetzt am Flughafen, wir wollen nicht nach Hause” Foto für Facebook, um noch einmal allen zu zeigen, wie schön es war! Also fotografieren wir los, und es dauert nicht lange, bis sich ein älterer Japaner zu uns gesellt, und uns sagt, wie wir uns hinstellen sollen. Er holt seine DSLR mit unzähligen Objektiven raus und fotografiert los. Irgendwie sind wir voll überrascht, er hat uns nicht mal gefragt, ob er uns fotografieren darf, sondern sich einfach zu uns gestellt ^^ Aber wir fühlen uns irgendwie geschmeichelt :3

Jetzt schnell noch die Koffer im Hotel holen und aufs Taxi warten. Der Taxi Fahrer ist wieder äußerst lieb und zuvorkommend und hilft uns mit unserem Gepäck. Nachdem unser Rail Pass schon seit einer Woche nicht mehr gültig ist, wollen wir uns den N’EX für stolze 3200 Yen nicht leisten, und entscheiden uns für die gute alte Keisei Main Line, die hat mich bisher noch immer an mein Ziel gebracht 😉

Habe ich schon einmal erwähnt, dass ich ein Gewohnheitstier bin, und Veränderungen überhaupt nicht mag? Darum habe ich auch im letzten Jahr die Keisei Main Line wieder umständlichst ab Asakusa genommen, anstatt ab Ueno, obwohl das näher gewesen wäre. Diesmal wollen wir aber nicht in Ueno von Yamanote auf Tokyo Metro wechseln, und so lasse ich mich dazu überreden, doch gleich ab Ueno die Keisei Main Line zu nehmen. Und eines sag ich euch, VERÄNDERUNGEN SIND SCHEISSE, GEWOHNHEIT IST TOLL! Dass die Ueno Station nicht klein ist, ist uns bereits am Donnerstag vor einer Woche aufgefallen, aber so weit haben wir nicht gedacht. Wir liegen zwar noch immer gut in der Zeit, aber ich bin innerlich ziemlich gestresst. Irgendwie ist die Keisei Main Line nirgendwo angeschrieben, und so langsam werden wir skeptisch. Am Info Schalter fragen wir nach, und die Dame erklärt uns, dass wir hier komplett falsch sind, und aus der Station raus müssen, um da hin zu gelangen, wo wir eigentlich hin wollen. Also gehen wir raus und sehen uns um, aber weit und breit sieht’s nirgendwo nach Keisei Main Line aus. Wir folgen ihrer Wegbeschreibung und laufen und laufen und kommen irgendwie nicht weiter. Verzweifelt fragen wir eine Gruppe von asiatischen Frauen, die ebenfalls mit Koffern in dieselbe Richtung laufen, nach dem Weg. Sie müssen auch zur Main Line, kennen den Weg aber nicht, und so beschließen wir, gemeinsam zu laufen. Die Mädels kommen aus Taiwan und sind genauso ratlos wie wir. Irgendwann bleiben wir stehen und sehen uns um, aber wir wissen einfach nicht wohin, und ich werde langsam wirklich nervös, denn wir sollten in gut einer Stunde am Flughafen sein. Eine japanische Omi sieht die Verzweiflung in unseren Augen und fragt in passablem Englisch nach unserem Ziel. Sie hilft Malie und mir mit dem dritten Koffer und läuft mit uns bis zur richtigen Station, wünscht uns eine gute Reise und sagt noch einmal, dass wir kawaii sind, während sie uns auf die Schulter klopft.

Ohne Probleme können wir nun in den Zug steigen und zum Flughafen fahren, puuuuh! Mit dem Gepäck läuft alles glatt und wir realisieren nun erst wirklich, dass wir nach Hause müssen. Gute Laune sieht anders aus, ist gerade einfach alles ein Gefühlschaos. Ich will hier bleiben. Eigentlich freue ich mich aber auf mein Zuhause. Ich hab keine Lust, in China noch vier Stunden auf den Anschlussflug zu warten. Und ich hab erst recht keine Lust, von Shanghai aus nochmal 12 Stunden im Flugzeug zu sitzen. Da fällt mir ein, nach dem Wochenende muss ich auch schon wieder zur Arbeit. Unsere Akkus sind fast leer. Wir haben Hunger. Ich hoffe, dass das Essen bei Air China wieder genauso lecker ist, wie beim Hinflug. Hoffentlich können wir im Flugzeug schlafen. Oh Mann, von München ist’s ja dann auch noch ein weiter Weg bis ganz nach Hause, 3 Stunden Autofahrt. Und das, was mir die meisten Bauchschmerzen bereitet ist, dass ich Malie auf Wiedersehen sagen muss. Und ich weiß nicht, ob sie auch so denkt. Ich für meinen Teil bin unendlich froh, sie kennengelernt zu haben. Ich will auch Zuhause in Kontakt mit ihr bleiben. Aber geht’s ihr genauso? Oder ist sie froh, mich los zu sein?

Nach endlosem Warten können wir endlich ins Flugzeug steigen. Bis Shanghai unterhalten wir uns eigentlich nur über die vergangenen Tage, und wie schön unsere Reise war. Am Flughafen gehen wir dann erneut zu Burger King und essen erstmal Onion Rings. Irgendwie müssen wir die verdammten vier Stunden ja rum bringen. Da um diese Uhrzeit nicht wirklich viele Menschen zu reisen scheinen, laufen wir auf den Rolltreppen-artigen Flughafen-Fortbewegungsbändern (oh Mann, ich hätte das Wort für die Dinger auch einfach googeln können XD) auf und ab und unterhalten uns über Dieses und Jenes. Mal vorwärts, mal rückwärts, dann Michael Jacksons Moonwalk ausprobiert, und wieder vorwärts. Die Securities sehen uns doof an aber im Moment ist uns das egal, denn wir sind hundemüde und wollen einfach nur ins Flugzeug, obwohl wir eigentlich lieber noch hier geblieben wären… Also in Tokyo, oder generell Japan, nicht in Shanghai.

Malie möchte diesmal am Gang sitzen, damit ich in Ruhe schlafen kann. Wie lieb sie einfach ist!!! Und ich danke ihr dafür, denn ich konnte wirklich fast 7 Stunden durchgehend schlafen, zusätzlich dann noch 2 weitere, wenn auch mit Unterbrechungen. Bevor ich aber einschlafe, verdrücke ich noch ein paar Tränchen. Was hat dieses Land bloß mit mir angestellt, dass mich der Abschied so mitnimmt? Es ist ja schließlich nur ein Land, und ich kann jederzeit wiederkommen. Aber es fühlt sich eher an, wie ein Abschied von einem geliebten Menschen auf unbestimmte Zeit. Ich will nicht komplett zu heulen beginnen, denn sobald mich Malie in den Arm nehmen würde, könnte ich mich gar nicht mehr einkriegen. Deshalb drehe ich mich zur Seite und versuche zu schlafen. Als wir in München landen bin ich putzmunter. Es geht alles sehr schnell, wir holen unsere Koffer und gehen (etwas nervös ^^) durch den Zoll, und dann steht auch schon mein Freund am Ausgang und wartet auf uns. Auch in München ist das Wetter fabelhaft und wir steigen ins Auto. Malie nehmen wir bis Salzburg mit, dort wird sie von ihrem Freund abgeholt. Die gesamte Autofahrt lang sehen wir unsere Fotos durch und schwärmen von Japan. Nach gut zwei Stunden Fahrt müssen wir uns dann verabschieden. Es ist so unwirklich, nun war Malie 2 Wochen lang 24 Stunden am Tag an meiner Seite, und jetzt ist sie weg… Vielleicht sollten wir den Trip einfach so schnell wie möglich wiederholen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir nicht geahnt, dass das bald Wirklichkeit werden würde :)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *